Montag, 13. Juli 2015

Warum beim Prioritätensetzen ein „schlechtes Gewissen“ entstehen kann und 3 Möglichkeiten, dieses aufzufangen

(Dank der Rückmeldungen per Email auf meinen letzten Text „3 Gründe, warum effizientes Prioritäten-Setzen wahrhaftig Wunder wirkt“ ist dieser Folgetext entstanden. Ich kann Euch nur sagen, liebe Ladies: Es ist total erwünscht, dass Sie sich melden, Fragen stellen oder weitere Inputs dazu geben! Am liebsten im Rahmen eines Kommentares (unten), denn so profitieren alle LeserInnen davon. Aber natürlich freu ich mich auch über Ihre Emails.)

Rund um das Thema „Prioritäten setzen“ gäbe es einige Texte zu schreiben. Eines, warum es „Wunder wirken kann“, haben Sie im letzten Beitrag gelesen. Ein anderes wäre, wie „richtig“ Prioritäten setzen überhaupt geht. Ich denke, die meisten Businessfrauen haben sehr gute Techniken dazu. Und ein weiteres, wie man damit umgeht, wenn der Wille zum effizienten Prioritäten setzen ein schlechtes Gewissen auslöst.

Ja, und um dies geht es heute. Ich bin mir sicher, dass dies ein Thema ist, das über 90% von uns Businessfrauen mindestens einmal in unserer Laufbahn beschäftigt. Denn wir sind dazu erzogen worden, fleissig und so korrekt wie möglich zu geben und uns einzusetzen; Wünsche zu kennen, bevor sie ausgesprochen sind und den Menschen um uns herum beste Voraussetzungen für ein harmonisches Sein zu ermöglichen.

Spannend ist, sich selber aufrichtig einzugestehen, wem gegenüber man das schlechte Gewissen hat. Das findet man ganz einfach heraus, in dem man sich fragt, an wen man bei der Vorstellung, gewisse Dinge heute nicht zu erledigen, denkt. Denken Sie an die Nachbarn, was diese denken könnten, wenn Sie den Liegestuhl geniessen, anstatt eifrig im Haus herum zu düsen? Denken Sie an Ihren Mann, wenn Sie sich vorstellen, dass der Boden nicht gesaugt ist, wenn er nach Hause kommt? Oder ertappen Sie sich in diesem Gedankenspiel dabei, wie Sie sich selbst nicht ernst nehmen können, wenn Sie „nicht so viel“ leisten?

Seien Sie hier aufrichtig mit sich selbst. Finden Sie dabei nämlich externe Kritiker, stellt sich die nächste Frage: Wie sicher sind Sie, dass das Ihre Nachbarn wirklich interessiert? Und wie wichtig ist es für Ihr persönliches Wohlbefinden, wie Ihre Nachbarn Ihr Tun und Lassen einschätzen? 

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie hier herausfinden dürfen, dass die Meinung Ihrer Nachbarn Ihr Wohlbefinden nicht beeinflusst. Denn die Menschen denken und reden sowieso, was sie wollen. Ausschlaggebend ist lediglich, ob Sie eine Beeinflussung zulassen, und wie SIE damit umgehen und ob Sie dabei negative Gefühle produzieren. Wenn Sie sich dafür entscheiden, dass die Meinung anderer Menschen keinen Einfluss auf Sie hat - schliesslich haben Sie die Verantwortung über Ihr Leben - übernehmen Sie das Steuer hin zu mehr Zufriedenheit und positive Energie für sich selbst. Zudem: Sind Sie wirklich sicher, dass die Nachbar oder wer auch immer „so“ denkt? Meist sind es lediglich wir selbst, die so hart richten.

Übernehmen Sie das Steuer! Lassen Sie nicht zu, „fremdgesteuert“ zu sein und sich Druck aufzusetzen wegen äusseren Faktoren.


Warum haben wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir nicht jede freie Minute für „Produktivität“ nutzen?


Ich denke, diese Frage ist die Zentrale der ganzen Geschichte. Denn die Gründe dafür sind nicht für jede Businesslady die selben. Aber diese Ausgangslage ist entscheidend dafür, wie wir das schlechte Gewissen behandeln.

Überprüfen Sie, welche der folgenden Gründe auf Sie zutreffen könnten:


"Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich mich für die falsche Priorität entscheide und somit Dinge von mir schiebe, die wichtiger wären." 
Ja, dann ist es ratsam, sich diesem „inneren Sauhund“ zu widmen. Ein Tipp: Das Unangenehmste immer zuerst erledigen. Und alles, was wir schon lange aufgeschoben haben, wird ohne Zweifel irgendwann unangenehm. Das passiert sogar bei „Lieblingsdingen“!


"Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich mit meinem Tun jemandem gerecht werden möchte. Und wenn ich nicht „alles“ tue, könnte ich vor dieser Person nicht mehr gut dastehen. Sie könnte mich schlechter behandeln oder sogar ignorieren." 
Ist dies der Fall, fragt es sich, wie sehr Sie abhängig von dieser Person sind. Selbst wenn es sich um Ihren Chef (und somit Geldgeber) handelt, gibt es Möglichkeiten, diesen Leistungstreiber zu relativieren. Der Mensch möchte stets Aufmerksamkeit und auch Wertschätzung! Das hat damals schon Sigmund Freud herausgefunden. Wenn Sie feststellen, dass „eigentlich“ keine Abhängigkeit besteht, streichen Sie bitte so schnell es geht Ihre „Gefälligkeiten“. Ausser sie werden ausdrücklich von Ihnen verlangt, fair entgolten und aufrichtig gedankt.

"Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich mich besser fühle, wenn ich soviel wie möglich erledige." 

Nun, dieser innere „Leistungstreiber“ ist in vielerlei Hinsicht ein Grund, der uns Bauchweh machen
kann. Hier holt er uns dabei ab, dass wir alles möglichst perfekt haben wollen, selbst höchste Latten setzen und diese Ansprüche immer höher schrauben. Als ob eine Kopie von uns mit einer Geisel neben uns stände… Eine bewährte Strategie ist, sich Folgendes zu fragen: “Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte, wenn ich Punkt X und Punkt Y auf meiner ToDo-Liste heute nicht erfülle?" Die Antwort darauf soll nicht Ihre schlimmsten Träume nähren, sondern Ihnen in einem ruhigen Moment die Gelegenheit geben, sachlich darüber nachzudenken und somit sogar einen Plan  für diese "schlimmste Befürchtung" zu erstellen oder vielleicht zu erkennen, dass gar nichts "Schlimmes" eintreffen würde. Wenn Sie das "Schlimmste" lokalisiert haben, können Sie besser beurteilen, was Ihnen wichtiger ist: das eigene Wohl, weil Sie sich jetzt Zeit für Ihre Musse gönnen oder das, was eintreten könnte, zu vermeiden? Z. B. Wenn ich ich weiss, ich müsste noch diese Woche meine Rechnungen bezahlen und verschiebe diese Pendenz: Könnte ich damit umgehen, allenfalls eine Mahnung zu bekommen, wenn ich die Zahlungen erst nächste Woche mache? Was wäre mir wichtiger? Keine Mahnung zu kriegen (die vielleicht gar nicht kommt…) oder meine Minuten des Innehaltens, des Auftankens?

In jedem der Fälle ist das wunderbare Thema "Selbstliebe“ oft ein Faktor, der unbewusst mitspielt. „Bin ich es mir Wert, nicht von jemander Meinung abhängig zu sein? Bin ich es mir Wert, neben dem Erledigen der wichtigsten Dinge auch für mich zu sorgen?“

Wie eingangs angetönt, sind gerade wir Frauen oft fast symbiotisch mit unserem inneren Leistungstreiber verknüpft. Wenn wir dies schon Jahrzehnte „erfolgreich“ umgesetzt haben, kann es ein beachtliches Stück an Weg sein, das wir uns vornehmen, um dies zu ändern. Aber das Ziel anzustreben lohnt sich auch hier! Das Ziel das bedeutet, sich selbst zu finden. Sich selbst authentisch zu leben. Sein eigenes Tempo bewusst zu realisieren. Und dazu zu stehen. Selbstverständlich und natürlich.



Weil wir es uns Wert sind. Und weil wir es können.

Herzlich, Chantal Perrinjaquet



P.S. Haben Sie sich auch schon gefragt, wie man mehr Freiheit lebt und sich selbst treu bleibt? Wo ansetzen, ohne andere zu verletzen? Diese Themen bauen auf obigem auf und werden in der Herbst-Intensivwoche für persönliche Entwicklung, die ich leite, eingehend gestärkt. Mehr dazu finden Sie hier in diesem Link. 

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